Geschichte

Die Geschichte des Kupferschieferbergbaus im Mansfelder Land

Rund 800 Jahre Kupferschieferbergbau im Mansfelder Land: von der Sage um Nappian und Neucke über die Mansfeld AG bis zur Stilllegung 1990 und den Halden-Pyramiden.

Foto: Franzfoto / Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Der Kupferschieferbergbau hat das Mansfelder Land über rund 800 Jahre geprägt wie kaum eine andere Region in Mitteldeutschland. Aus dem kupferhaltigen Schiefer im östlichen Harzvorland zwischen Harz und Halle (Saale) entstand eine ganze Kulturlandschaft, deren Spuren bis heute sichtbar sind, vor allem in den weithin grüßenden Spitzkegelhalden. Wer die Region verstehen will, kommt an dieser Geschichte nicht vorbei.

Wie begann der Kupferschieferbergbau im Mansfelder Land?

Der Beginn liegt im Dunkel des Mittelalters, und die Region erzählt ihn bis heute als Sage. Um das Jahr 1200 sollen die beiden Bergleute Nappian und Neucke in der Gegend des heutigen Hettstedt den ersten Kupferschiefer geschürft haben. Ob die beiden tatsächlich gelebt haben, lässt sich nicht belegen, doch die Erzählung markiert den symbolischen Anfang eines Bergbaus, der die folgenden Jahrhunderte bestimmen sollte.

Aus den ersten kleinen Schürfstellen wuchs über Generationen ein dichtes Netz aus Schächten, Stollen und Hütten. Das Kupfer aus dem Mansfelder Land war begehrt, und der Reichtum, der daraus floss, prägte das Selbstverständnis der Region nachhaltig. Wer heute durch Lutherstadt Mansfeld oder die umliegenden Orte fährt, bewegt sich auf historischem Bergbaugrund.

Welche Rolle spielten die Grafen von Mansfeld?

Über lange Zeit lag der Bergbau in den Händen der Grafen von Mansfeld, eines der mächtigsten Adelsgeschlechter der Region. Sie kontrollierten die Gruben und Hütten und zogen aus dem Kupferschiefer beträchtlichen Reichtum. Der Bergbau finanzierte ihren Aufstieg, ihre Bauten und ihren politischen Einfluss weit über das Harzvorland hinaus.

Der Wohlstand jener Zeit ist eng mit einem berühmten Sohn der Region verbunden: Martin Luther, geboren am 10. November 1483 in Eisleben, verbrachte seine Kindheit in Mansfeld, wo sein Vater im Berg- und Hüttenwesen tätig war. Die Luthergedenkstätten in Eisleben und Mansfeld gehören seit 1996 zum UNESCO-Welterbe und zeigen, wie tief der Bergbau auch die Familie des Reformators berührte.

Wie wurde aus dem Bergbau eine Industrie?

Mit der Neuzeit professionalisierte sich der Bergbau zusehends. Ein technischer Meilenstein gelang 1785 in Hettstedt: Hier ging die erste Dampfmaschine wattscher Bauart auf dem europäischen Festland in Betrieb und läutete den Übergang zur industriellen Förderung ein. Diesen Schritt kann man bis heute nachvollziehen, denn das Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss im Ortsteil Burgörner zeigt einen funktionsfähigen Nachbau dieser Maschine. Aktuelle Öffnungszeiten und Preise prüfen Sie am besten vor dem Besuch direkt beim Anbieter.

Im 19. und 20. Jahrhundert bündelte sich der Bergbau schließlich in der Mansfeld AG, die Gruben, Hütten und Verkehrswege zu einem großen industriellen Verbund zusammenfasste. Aus dieser Zeit stammt auch die Mansfelder Bergwerksbahn, die älteste betriebsfähige Schmalspurbahn Deutschlands. Ihr Netz mit der Spurweite 750 Millimeter besteht seit dem 15. November 1880; heute lässt sich ein rund elf Kilometer langer Abschnitt zwischen Benndorf und Hettstedt als Dampf-Museumsbahn erfahren.

Was geschah mit dem Bergbau in der DDR?

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Mansfeld AG in das volkseigene Mansfeld-Kombinat über. In der DDR blieb der Kupferschieferbergbau ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und prägte das Leben Zehntausender Menschen in der Region. Ganze Orte lebten vom Bergbau, und die Identität vieler Familien war über Generationen mit der Arbeit unter Tage verbunden.

Doch die geologischen Bedingungen wurden immer schwieriger und die Lagerstätten immer tiefer und teurer. Mit dem politischen Umbruch von 1989 und 1990 endete schließlich eine fast 800-jährige Ära: Am 10. August 1990 wurde der Kupferschieferbergbau im Mansfelder Land stillgelegt. Für die Region bedeutete das einen tiefen Einschnitt, dessen Folgen den Strukturwandel der folgenden Jahrzehnte mitbestimmten.

Was sind die “Pyramiden des Mansfelder Landes”?

Das auffälligste Erbe des Bergbaus sind die Spitzkegelhalden, die in der Region liebevoll “Pyramiden des Mansfelder Landes” genannt werden. Auf diesen kegelförmigen Aufschüttungen aus taubem Gestein türmt sich der Abraum von Jahrhunderten, manche von ihnen erreichen Höhen von rund 130 Metern. Sie prägen das Landschaftsbild zwischen den Bergbauorten und sind schon von Weitem zu erkennen.

Heute sind die Halden Zeugnisse einer vergangenen Industrieepoche und zugleich markante Orientierungspunkte. Von erhöhten Aussichtslagen, etwa von der Schweinsburg Bornstedt, lässt sich der Blick über diese Pyramiden schweifen. Sie erinnern daran, mit welchem Aufwand Generationen von Bergleuten dem Schiefer sein Kupfer abgerungen haben.

Wie erlebt man die Bergbaugeschichte heute?

Die Industriekultur des Mansfelder Landes lässt sich an vielen Orten erkunden. Das Mansfeld-Museum in Hettstedt, die Bergwerksbahn und die zahlreichen Halden bilden zusammen ein lebendiges Freilichtarchiv. Wer mehr Zeit mitbringt, verbindet die Bergbaugeschichte gut mit weiteren Höhepunkten der Region, etwa einem Abstecher an den Süßen See bei Seeburg oder in das benachbarte Welterbe-Ensemble der Lutherstätten.

Für eine mehrtägige Spurensuche bietet sich eine Übernachtung in der Region an. Eine Auswahl an Unterkünften finden Sie in unserer Übersicht der besten Hotels im Mansfelder Land. So lässt sich die fast 800-jährige Geschichte des Kupferschieferbergbaus in Ruhe und mit allen Sinnen entdecken, von der Sage um Nappian und Neucke bis zu den stillen Pyramiden am Horizont.

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