Wer auf den Bergbaulehrpfaden im Mansfelder Land unterwegs ist, läuft buchstäblich durch rund 800 Jahre Geschichte. Der Kupferschieferbergbau hat diese Kulturlandschaft im östlichen Harzvorland zwischen Harz und Halle (Saale) geprägt wie kaum etwas anderes - und seine Spuren liegen bis heute offen in der Landschaft. Halden, Schächte, alte Maschinenhäuser und ein eigener Themen-Radweg laden dazu ein, das Erbe zu Fuß und mit dem Rad zu entdecken.
Was macht das Mansfelder Land zu einer Bergbauregion?
Der Sage nach stießen die beiden Knappen Nappian und Neucke um das Jahr 1200 bei Hettstedt auf den Kupferschiefer - der Beginn einer Tradition, die fast acht Jahrhunderte überdauern sollte. Erst am 10. August 1990 wurde der Bergbau stillgelegt. Aus dieser langen Zeit stammen die markantesten Landmarken der Region: die Spitzkegelhalden, im Volksmund “Pyramiden des Mansfelder Landes” genannt. Manche erreichen rund 130 Meter Höhe und sind schon von Weitem zu sehen.
Diese Halden sind aufgeschüttetes taubes Gestein, das beim Abbau übrig blieb. Heute sind sie weithin sichtbare Wahrzeichen und beliebte Orientierungspunkte für Wanderer und Radler. Von einigen Aussichtspunkten, etwa rund um die Burg Bornstedt, hat man einen guten Blick über die typische Haldenlandschaft.
Wo führt der Kupferspuren-Radweg entlang?
Der Kupferspuren-Radweg folgt, wie der Name verrät, den Spuren des Kupferschieferbergbaus durch das Seegebiet Mansfelder Land. Die Route verbindet Geschichte, Landschaft und Industriekultur und führt vorbei an Halden, ehemaligen Schachtanlagen und Zeugnissen der Montanindustrie. Sie macht erlebbar, wie eng Bergbau, Natur und Alltag in dieser Region über Jahrhunderte verwoben waren.
Da Streckenführung, Beschilderung und Anschlussverbindungen im Detail variieren können, lohnt sich vor der Tour ein Blick auf die aktuellen Informationen der regionalen Anbieter und der Tourismusstellen. So lässt sich die Etappenlänge gut an die eigene Kondition anpassen und mit anderen Radwegen der Region kombinieren.
Was sieht man auf dem Bergbaulehrpfad Wettelrode?
Ein Höhepunkt für alle, die tiefer eintauchen wollen, ist der Bergbaulehrpfad Wettelrode bei Sangerhausen. Er wurde 1993 eröffnet und widmet sich dem Kupferschieferbergbau. Der Weg ist in eine kürzere und eine längere Schleife unterteilt: Die kleine Runde dauert etwa 30 Minuten, die große ist rund 5 Kilometer lang und nimmt ungefähr zwei Stunden in Anspruch.
Unterwegs begegnet man originalen technischen Zeugnissen des Bergbaus und Erläuterungstafeln, die den Abbau des Kupferschiefers anschaulich machen. Wettelrode liegt nahe der Kreisstadt Sangerhausen, die mit rund 25.000 Einwohnern den größten Ort des Landkreises Mansfeld-Südharz bildet. Wer Lehrpfad und Stadtbesuch verbindet, kann gleich noch das Spengler-Museum mit dem Skelett eines Steppenmammuts oder das berühmte Europa-Rosarium einplanen.
Welche Industriedenkmäler erzählen die Technikgeschichte?
Die Geschichte des Mansfelder Bergbaus ist auch eine Geschichte der Technik - und hier spielt Hettstedt eine besondere Rolle. 1785 ging dort die erste Dampfmaschine wattscher Bauart auf dem europäischen Festland in Betrieb, ein Meilenstein der Industrialisierung. Das Mansfeld-Museum im Humboldt-Schloss im Ortsteil Burgörner zeigt heute einen funktionsfähigen Nachbau dieser Maschine. Für aktuelle Öffnungszeiten und Preise prüfen Sie bitte vor dem Besuch die Angaben des Anbieters.
Ein weiteres lebendiges Industriedenkmal rollt durch die Region: die Mansfelder Bergwerksbahn. Sie gilt als älteste betriebsfähige Schmalspurbahn Deutschlands (Spurweite 750 Millimeter); ihr Netz besteht seit dem 15. November 1880. Heute lassen sich rund 11 Kilometer zwischen Benndorf und Hettstedt als Dampf-Museumsbahn befahren - eine entspannte Art, die Bergbaulandschaft auch ohne lange Fußmärsche zu erleben.
Wie lassen sich die Touren mit der Region verbinden?
Das Schöne an den Bergbaulehrpfaden ist, dass sie sich gut mit anderen Highlights des Mansfelder Landes kombinieren lassen. Wer nach Natur sucht, findet am Süßen See bei Seeburg das größte natürliche Gewässer der Region mit Radwegen, Bademöglichkeiten und sogar Weinbau am Ufer. Auch der überregionale Lutherweg Sachsen-Anhalt mit rund 410 Kilometern berührt die Gegend und verknüpft Bergbau- mit Reformationsgeschichte.
Für eine längere Erkundung lohnt sich eine Übernachtung vor Ort. Eine Auswahl an Unterkünften im Mansfelder Land macht es leicht, mehrere Etappen zu kombinieren - etwa Lehrpfad, Radweg und Museumsbahn an einem verlängerten Wochenende.
Praktische Tipps für den Besuch
Gutes Schuhwerk ist auf den Halden- und Lehrpfaden Pflicht, denn die Wege führen über ehemaliges Bergbaugelände. Halten Sie sich an die ausgeschilderten Routen und betreten Sie Halden nicht abseits markierter Wege, da altes Bergbauterrain Risiken bergen kann. Für geführte Touren, Befahrungszeiten der Bergwerksbahn sowie Eintritte der Museen gilt: aktuelle Öffnungszeiten und Preise bitte vor dem Besuch beim jeweiligen Anbieter prüfen, da sich diese saisonal ändern können.
So verbinden die Bergbaulehrpfade im Mansfelder Land Bewegung an der frischen Luft mit echtem Geschichtserlebnis - von den “Pyramiden” der Halden über funktionierende Industriedenkmäler bis zur dampfenden Schmalspurbahn.